Zu den Exponaten, die sich in der Obhut unseres gemeinnützigen Fördervereins befinden, gehören nicht nur komplette Fahrzeuge oder Fahrzeugteile, sondern ebenso ordnerweise Archivmaterial, von beflissenen Händen akribisch zusammengetragen.

Einen solchen Ordner und seinen erstaunlichen Inhalt stellen wir Ihnen hier nun vor.

Ein schwarzer Falken-Ordner, augenscheinlich älteren Datums, der Deckel vermutlich durch übermäßige Belastung ein wenig eingeknickt, dreieinhalb Kilogramm schwer, liegt vor uns. Die Rückenbeschriftung verrät: „LLOYD. Fotoarchiv auf Karteikarten. Schammelt, Lloyd-Technik. Büro“. Wir blättern:

Auffällig ist zunächst, dass sämtliche Seiten des Ordners in glasklare Sichthüllen eingesteckt worden sind. Ordentlicher geht es nicht. Der Inhalt besteht aus drei unterschiedlich umfangreichen Kapiteln.

Das erste Kapitel ist eine Sammlung von Werbeanzeigen, zum Teil auch Textbeiträgen aus Zeitschriften wie der „Motorwelt“ und „Das Auto – Motor und Sport“. Bemerkenswert sind bei den ausgeschnittenen Anzeigenseiten auch deren Rückseiten, die teils mit Text, teils mit Anzeigen gefüllt sind. Da gibt es Werbung für „Handelsgold“-Zigarren oder „Buer-Lecithin“, herrliche Zeitzeugen der späten 50er-Jahre, das Wirtschaftswunder steht in voller Blüte.

Das zweite Kapitel ist eine Sammlung aus Fotos, die – jedes für sich – auf eine Karteikarte geklebt ist. Ein Großteil der Fotos zeigt eine Art Tag der offenen Tür im Lloyd-Werk in der Bremer Neustadt. Werksbeschäftigte zeigen Besuchern, wie gearbeitet wird und wie das fertige Produkt Auto aussieht. Obwohl die Karteikarten dafür konzipiert sind, eine ganze Reihe an Informationen aufzunehmen, finden sich nur sehr vereinzelt handschriftliche Eintragungen wie „Fotograf unbekannt“ sowie die Jahresangaben „1952“ und „1954“, zuweilen auch „Foto Gerke“ oder „Direktor Tegtmeyer“.

Das dritte Kapitel besteht aus einer Sammlung von Fotos, auf denen Lloyd-Fahrzeugteile und Baugruppen abgelichtet sind. Man erkennt verschiedene Baugruppen wie Bremsanlage, Lenkung, Chassis und viele andere. Viele Aufnahmen scheinen im Studio entstanden zu sein, andere wiederum stammen eindeutig aus dem Bereich der Produktion.

Ein einziger Ordner aus dem Bestand unserer Exponate liefert schon enorm viele Einblicke in die Zeit der Entstehung der Lloyd-Fahrzeuge, wirft andererseits auch eine Fülle von Fragen auf. Das Thema ist und bleibt spannend, auch 60 Jahre nach dem Konkurs der Borgward-Gruppe.